Knossos auf Kreta

Der minoische Palast von Knossos – Eine Hauptattraktion auf Kreta

knoss-auf-kreta-minoischer-palastEs wird wohl kaum einen Besucher von Kreta geben, der nicht die Ausgrabungsstätte von Knossos in sein Ausflugsprogramm einplant. Knappe fünf Kilometer südlich der Inselhauptstadt Iraklion gelegen ist dieses Zeugnis der sagenumwobenen minoischen Zivilisation wahrlich einen Besuch wert, auch wenn man in den Monaten der Hochsaison auf Kreta wahrscheinlich mehr Touristen als Steine auf dem Gebiet der Ausgrabung vorfindet.

Knossos wird schon in Homers Odyssee als große und berühmte Stadt erwähnt. Und das Wort Groß trifft auch wahrlich auf diesen Palast zu. Mit einer Fläche von 75 Hektar ist er mit Sicherheit der größte minoische Palast gewesen. Der Komplex soll über 1200 Zimmer umfasst haben, die auf einer Anzahl von 5 Ebenen angeordnet waren. Vermutlich haben zum Höhepunkt der Zeiten des Palastes um die 100.000 Menschen in den Räumen und der näheren Umgebung von Knossos gelebt und gearbeitet.

Die Entdeckung und Freisetzung der Palastanlage von Knossos und andere Ausgrabungen auf Kreta haben die Geschichtsschreibung der Region revolutioniert. Vor diesen Funden war man der festen Auffassung, dass die griechische Kultur zu den ersten wirklichen Hochkulturen zählt. Die erwähnten Ausgrabungen machten deutlich, dass es bereits lange vorher mit der minoischen Hochkultur eine sehr bedeutende und hervorragende  Epoche gab.

Sir Arthur Evans – bewundert und umstritten

Als er im Jahre 1894 zum ersten Mal nach Knossos kam und von den Gerüchten eines hier befindlichen riesigen Palastes hörte ließ ihn  die Vorstellung der Freilegung dieses antiken Bauwerkes nicht mehr los. Arthur Evans war ein sehr vielseitiger und gebildeter Mann, der als Journalist und später dann als Direktor des Ashmolean-Museums von Oxford gearbeitet hat konnte den Gedanken an eine solche Ausgrabung nicht mehr verdrängen und erwarb das Grundstück, obwohl niemand sich sicher sein konnte, das hier der sagenumwobene Palast lag. Der Erwerb des Landes kostete ihn einen großen Teil seines Vermögens und es dauerte immerhin auch 5 Jahre, bis er die Besitzurkunden in seinen Händen hielt.

Er wurde auf dem Grundstück fündig und ab dem Jahr 1900 waren die Ausgrabungen in vollem Gange. Die Reste des antiken Palastes von Knossos ließen Arthur Evans bis zu seinem Lebensende nicht mehr los. Er leitete die Arbeiten über 25 Jahre selbst und noch im hohen Alter von 84 Jahren half er persönlich bei den Arbeiten auf der Ausgrabungsstätte mit.

Die Fachwelt ist sich einerseits der Leistung von Arthur Evans bewusst, aber andererseits ist die Art seiner Restauration der Fundstücken mehr als umstritten. Neben den zur Rekonstruktion verwendeten Materialien werfen ihm seine Kritiker auch vor, dass sein teilweise überhastetes Vorgehen wertvolle Informationen und Details zerstört habe.

Die meisten Besucher freut aber auch einfach nur die Faszination, die von diesem restaurierten Palast von Knossos ausgeht.

Arthur Evans, der von 1851 bis 1941 lebte,  wurde übrigens auf Grund der Leistungen der Ausgrabungen bei Knossos im Jahr 1911 mit dem Adelstitel Sir geehrt.

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Der Mythos vom  Minotaurus im Labyrinth unter Knossos

Wie so viele Geschichten und Legenden auf Kreta beginnt auch die Erzählung über den berüchtigten Stiermenschen von Knossos, dem Minotaurus, mit der Rolle von Zeus. Der Göttervater begab sich einmal wieder auf die Eroberung einer jungen Frau. Die junge Prinzessin Europa hatte es ihm angetan. Er näherte sich ihr in Gestalt eines Stiers, entführte sie auf seinem Rücken nach Kreta und verführte sie dort. Aus der Affäre erwuchsen drei Söhne: Minos, Rhadamanthys und Sarpedon. Nicht ganz untypisch für Zeus verließ er die Geliebte, die ihrerseits daraufhin den König Astarios zum Manne nahm.

Die Beziehung von Zeus zu seinen Söhnen beschränkte sich auf den Kontakt zu Minos, welcher von seinem Vater auch den Drang und die Kunst des Herrschens gelehrt bekam. Das Resultat war die Verbannung seiner Brüder und die Thronbesteigung zum König von Kreta. Ein Disput mit Poseidon ließ den Meeresgott eine Strafe ersinnen und dieser ließ die Frau von Minos in Liebe zu einem weißen Stier fallen. Das Resultat der Liebesbeziehung der jungen Frau und dem Stier war ein Wesen, das halb Stier und halb Mensch war. Der Minotaurus war geboren.

Der König Minos verschonte das Wesen, obwohl er sehr erzürnt war. Der durch Athen verursachte Tod von Androgeus, dem Sohn von Minos, ließ Minos Athen in die Knie zwingen. Gleichzeitig sperrte er den Minotaurus in ein Labyrinth unter dem Palast von Knossos und verlangte jährlich Menschenopfer von Athen, die er dem Stierwesen vorwarf. Es schien unmöglich, dem Minothaurus im Labyrinth von Knossos zu entkommen. Dies änderte sich, als der Sohn des Königs von Athen, Theseus, als Menschenopfer auserwählt wurde. Dieser nahm ein Knäuel aus Wolle, befestigte ein Ende am Eingang zum Labyrinth, tötete den Minotaurus und konnte durch die List mit dem Knäuel aus dem unterirdischen Verließ fliehen.

Labyrinth und Knossos – Unübersichtlichkeit oder Doppelaxt?

Man ist sich heute nicht vollständig sicher, ob der Begriff von Labyrinth in Verbindung mit dem Palast in den überlieferten Schriften auf die Unübersichtlichkeit der unterirdischen Räumlichkeiten hinweist oder eher im Sinne der hier oft auftretenden Doppelaxt gemeint ist. Das lydische Wort labrys bedeutet eben genau Doppelaxt.
 

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