Weihnachten in Spanien

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Weihnachten in Spanien

Feliz Navidad – Lotería, Belén und die Drei Könige: Spaniens magische Weihnachten


Madrid an Heiligabend. Die Straßen sind geschmückt mit Lichterketten in Form von Sternen und Girlanden, der Duft von Churros con Chocolate und Turrón (Mandel-Nougat) liegt in der Luft, und aus jedem Radio schallt „Feliz Navidad“ von José Feliciano.

Aber plötzlich wird es laut – „¡El Gordo! ¡El Gordo!“ – schreit eine ganze Nation vor dem Fernseher, denn die Lotería de Navidad, die größte Lotterie der Welt, hat gerade ihre Hauptgewinne gezogen.

Willkommen in Spanien, wo Weihnachten nicht nur ein Fest, sondern eine ganze Saison voller Traditionen, Lichter und Familienfeste ist!

Hier wird nicht nur am 24. Dezember gefeiert, sondern bis zum 6. Januar – denn erst dann bringen die Heiligen Drei Könige die Geschenke. Und während in anderen Ländern der Weihnachtsmann oder das Christkind die Hauptrolle spielen, sind es in Spanien Melchor, Gaspar und Baltasar, die auf ihren Kamelen durch die Straßen reiten und Süßigkeiten in die Menge werfen.

Also: Schnappt euch eine Tasse heißen Kakao mit Churros, setzt euch in ein gemütliches Café und lasst uns eintauchen in die bunte, laute und herzerwärmende Weihnachtszeit Spaniens!

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La Lotería de Navidad: Wenn eine ganze Nation den Atem anhält

Kein anderes Land hat eine so emotionale Beziehung zu einer Lotterie wie Spanien zu seiner „Lotería de Navidad“. Jedes Jahr am 22. Dezember versammeln sich Millionen Spanier vor dem Fernseher, um live zu verfolgen, wie Schulkinder aus Madrid die Gewinnzahlen singen. Der Hauptgewinn, „El Gordo“ („Der Dicke“), macht die Gewinner zu Millionären – und die ganze Nation fiebert mit.

Ich hatte mal die Wochen der Weihnachts- und Neujahrszeit in Spanien zugebracht und habe mich damals mal etwas mit diesem „Phänomen“ beschäftigt. Ich weiß nicht, ob alle Fakten heute noch zu 100 % so stimmen, aber für Interessenten ist hier eine kurze Zusammenfassung.

1. Wie funktioniert die Lotería de Navidad?

  • Losnummer & Preis: Jedes Los kostet 20 Euro, aber die meisten Spanier kaufen Anteile („décimos“) für 2 Euro.
  • Der Hauptgewinn („El Gordo“): 4 Millionen Euro pro Los (ja, pro einzelnes Los!).
  • Die Kinder von San Ildefonso: Seit 1763 singen Schüler einer Madrider Schule die Gewinnzahlen – eine Tradition, die berührend und nervenaufreibend zugleich ist.
  • Die „Pedrea“: Bevor die Hauptgewinne gezogen werden, gibt es kleinere Gewinne, die wie ein Vorspiel wirken.

2. Warum ist die Lotería so wichtig?

  • Eine nationale Tradition: Fast jeder Spanier kauft ein Los – ob arm oder reich.
  • Familien- und Freundesgruppen: Viele kaufen gemeinsam ein Los und teilen sich den Gewinn (oder den Frust).
  • Gemeinschaftsgefühl: Selbst wenn man nicht gewinnt, fiebert man mit – und wenn die Nachbarn gewinnen, gibt es Straßenfeste.
  • Wirtschaftlicher Impact: Die Lotería bringt über 2 Milliarden Euro in die Staatskasse – und macht Weihnachtsgeschenke für viele möglich.

3. Die berühmtesten Gewinner-Geschichten

  • 2011: Der „El Gordo“ in einem kleinen Dorf: Fast das gesamte Dorf Sodeto (1.400 Einwohner) gewann – weil alle dasselbe Los gekauft hatten!
  • 2018: Eine Schule gewinnt: Die Schüler einer Schule in Huesca teilten sich 700.000 Euro – und feierten mit einer Riesenparty.
  • 2020: Ein Los verkauft sich 18.000 Mal: Ein einzelnes Los wurde so oft gekauft, dass Tausende Menschen in ganz Spanien gewannen.

Viele Spanier kaufen ihr Los bei bestimmten Verkäufern, die als „Glücksbringer“ gelten – wie zum Beispiel die „Doña Manolita“ in Madrid, deren Laden Scharen von Käufern anzieht.


El Belén: Spaniens Kunst der Krippenspiele

krippe figuren belen
(c)J.M. Tornero – stock.adobe.com

Während in Deutschland der Weihnachtsbaum im Mittelpunkt steht, ist in Spanien die „Belén“ (Krippe) das Herzstück der Weihnachtsdekoration. Doch hier handelt es sich nicht um einfache Holzfiguren – nein, spanische Krippen sind wahre Kunstwerke, die manchmal ganze Landschaften, Flüsse und Dörfer darstellen.

1. Die Tradition des Belén

  • Ursprung: Die Tradition kam im 18. Jahrhundert aus Neapel nach Spanien und wurde besonders in Andalusien und Katalonien populär.
  • Materialien: Früher aus Ton und Holz, heute oft aus Porzellan oder sogar Gold.
  • Besonderheit: Viele Krippen zeigen nicht nur die Heilige Familie, sondern ganze Szenen aus dem dörflichen Leben – mit Bauern, Händlern, Tieren und sogar Flüssen.

2. Die berühmtesten Belénes Spaniens

  • Belén de la Plaza Mayor (Madrid): Eine riesige Krippe mit beweglichen Figuren – jedes Jahr ein neues Thema!
  • Belén de la Catedral de Sevilla: Eine der ältesten und prächtigsten Krippen Andalusiens.
  • Belén de Teverga (Asturien): Eine lebendige Krippe mit echten Tieren und Darstellern.
  • Belén de la Sagrada Familia (Barcelona): Eine moderne Interpretation mit Gaudi-Elementen.

3. Die „Figuras de Belén“ – Sammlerstücke

Viele Spanier sammeln Jahre- oder jahrzehntelang Figuren für ihren Belén. Besonders begehrt sind:

  • „El Caganer“ (Katalonien): Eine versteckte Figur, die hockend ihr Geschäft verrichtet – ein Symbol für Glück und Fruchtbarkeit!
  • „El Angel“ (der Engel): Oft mit beweglichen Flügeln.
  • „Los Reyes Magos“ (die Heiligen Drei Könige): Sie kommen erst am 6. Januar in die Krippe!

In Katalonien gibt es sogar „Belén-Wettbewerbe“, bei denen die schönsten Krippen prämiert werden.


La Nochebuena: Das große Familienfest am 24. Dezember

Antipasti platte vorspeisen und wein

Während in anderen Ländern das Weihnachtsessen am 25. Dezember stattfindet, feiern die Spanier ihr Hauptfest am 24. Dezember – die „Nochebuena“ („Gute Nacht“). Es ist ein langes, mehrgängiges Mahl, das oft bis tief in die Nacht dauert – und bei dem die ganze Familie zusammenkommt.

1. Das klassische Nochebuena-Menü

  • Entrantes (Vorspeisen):
  • Jamón Ibérico (spanischer Schinken).
  • Quesos variados (verschiedene Käsesorten wie Manchego oder Cabrales).
  • Boquerones en vinagre (marinierte Sardellen).
  • Primer Plato (erster Gang):
  • Sopa de Galets (Katalonien) – eine deftige Suppe mit großen Nudeln.
  • Consomé con pelotas (Hühnersuppe mit Fleischklößchen).
  • Segundo Plato (Hauptgang):
  • Cordero asado (gegrilltes Lamm) – besonders in Kastilien.
  • Besugo al horno (Ofenfisch) – an der Küste.
  • Cochinillo asado (Spanferkel) – in Segovia.
  • Postre (Dessert):
  • Turrón (Mandel-Nougat) – der Klassiker!
  • Mazapán (Marzipan) – besonders in Toledo.
  • Polvorones (Mandelplätzchen) – so zart, dass sie auf der Zunge zergehen.
  • Bebidas (Getränke):
  • Cava (spanischer Sekt) – zum Anstoßen!
  • Vino tinto (Rotwein) – z. B. Rioja oder Ribera del Duero.
  • Anís (Anis-Likör) – als Digestif.

2. Die Misa del Gallo: Die Mitternachtsmesse

Nach dem Essen geht es für viele Spanier in die „Misa del Gallo“ („Messe des Hahns“) – eine Mitternachtsmesse, die an die Geburt Jesu erinnert.

  • Warum „del Gallo“? Weil der Hahn als Symbol für die Ankündigung des neuen Tages (und damit der Geburt Christi) gilt.
  • Besonderheit: In vielen Kirchen werden lebendige Krippen aufgestellt, und manchmal singen Chöre traditionelle Villancicos (Weihnachtslieder).

3. Die „Uvas de la Suerte“ – 12 Trauben um Mitternacht

Ein absolutes Muss in Spanien: Um Mitternacht isst man 12 Trauben – eine für jeden Monat des neuen Jahres – während die Glocke 12 Mal schlägt.

  • Ursprung: Der Brauch entstand 1909, als es eine übermäßige Traubenernte gab und die Winzer auf die Idee kamen, sie als Glücksbringer zu vermarkten.
  • Heute: Die Trauben werden oft in Dosen verkauft – und wer es schafft, alle 12 in 12 Sekunden zu essen, hat Glück im neuen Jahr!
  • Fun Fact: In manchen Regionen isst man die Trauben mit einem Glas Cava – was die Sache noch schwieriger macht!

El Día de los Santos Inocentes (28. Dezember): Spaniens Aprilscherz

witz lachen gag

Während in anderen Ländern am 28. Dezember einfach nur der nächste Feiertag ansteht, haben die Spanier ihren eigenen Scherztag – ähnlich wie der 1. April, aber mit Weihnachts-Twist!

1. Was passiert am „Día de los Santos Inocentes“?

  • Medien fallen darauf rein: Zeitungen und TV-Sender erfinden falsche Nachrichten – und viele Spanier glauben sie!
  • Beispiel 2019: Eine Zeitung berichtete, dass die Regierung plant, Paella zum Nationalgericht zu erklären – was zu heftigen Diskussionen führte.
  • Praktische Scherze: Freunde und Kollegen spielen einander Streiche – z. B. indem sie falsche Geschenke verpacken oder Bürostühle verkleben.
  • „Inocentada“: Der Name kommt von den „Unschuldigen Kindern“ (die nach der Bibel von Herodes getötet wurden) – und wer auf einen Scherz hereinfällt, ist selbst ein „Inocente“ (Unschuldiger).

2. Die berühmtesten „Inocentadas“ der Geschichte

  • 1992: „Spanien gewinnt die Fußball-WM“ – Eine Zeitung druckte eine falsche Schlagzeile, und viele Spanier glaubten es (obwohl die WM erst 1994 stattfand!).
  • 2005: „Die Metro von Madrid wird kostenlos“ – Viele Menschen versuchten vergeblich, umsonst zu fahren.
  • 2018: „Ein Panda im Zoo von Madrid“ – Ein TV-Sender behauptete, ein Panda sei aus China angekommen – dabei gab es gar keinen!

Los Reyes Magos: Wenn die Heiligen Drei Könige die Geschenke bringen

drei heilige koenige

Während in anderen Ländern der Weihnachtsmann oder das Christkind die Geschenke bringt, sind es in Spanien die „Reyes Magos“ (Heiligen Drei Könige) – Melchor, Gaspar und Baltasar – die in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar auf ihren Kamelen anreiten.

1. Die Cabalgata de Reyes: Der große Umzug

Am 5. Januar finden in allen spanischen Städten die „Cabalgatas de Reyes“ statt – Umzüge mit prächtigen Wagen, auf denen die drei Könige Süßigkeiten in die Menge werfen.

  • Die größten Cabalgatas:
  • Madrid: Mit Riesenwagen und Feuerwerk.
  • Barcelona: Die Könige kommen mit dem Boot im Hafen an!
  • Sevilla: Eine flamenco-inspirierte Show.
  • Granada: Die Könige reiten durch die Alhambra.
  • Was wird geworfen?
  • Caramelos (Bonbons).
  • Turrón (Mandel-Nougat).
  • Pequeños juguetes (kleine Spielzeuge).

2. Die Nacht der Reyes Magos (5. Januar)

  • Die Kinder schreiben Briefe: Wie an den Weihnachtsmann, aber an die Reyes Magos.
  • Milch und Turrón für die Könige: Die Kinder stellen Milch und Süßigkeiten für die Könige und Wasser und Heu für die Kamele bereit.
  • Die Geschenke: Am 6. Januar (Dreikönigstag) finden die Kinder ihre Geschenke – aber nur, wenn sie brav waren!

3. El Roscón de Reyes: Der Dreikönigskuchen

Am 6. Januar isst man in Spanien den „Roscón de Reyes“ – einen ringförmigen Kuchen mit kandierten Früchten, der eine Überraschung enthält:

  • Eine Bohne: Wer sie findet, muss den Roscón bezahlen!
  • Eine Figur (meist ein König): Wer sie findet, hat Glück im neuen Jahr!

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Weihnachten in den spanischen Regionen: Jede Ecke hat ihren eigenen Zauber

Spanien ist vielfältig – und das zeigt sich auch an Weihnachten! Von den schneebedeckten Pyrenäen bis zu den sonnigen Kanarischen Inseln – jede Region hat ihre eigenen Bräuche und Spezialitäten.

1. Katalonien: Caganer, Tió de Nadal und Cava

  • El Caganer: Eine versteckte Figur in der Krippe, die hockend ihr Geschäft verrichtet – ein Symbol für Glück!
  • El Tió de Nadal: Ein „Kotzender Holzklotz“ (ja, wirklich!), aus dem die Kinder durch Schlagen mit Stöcken Geschenke „herausholen“.
  • Cava statt Sekt: Der katalanische Schaumwein ist ein Muss zum Anstoßen.

2. Andalusien: Flamenco-Weihnachten und Turrón

  • Zambombas: Spontane Flamenco-Feste in den Straßen – mit Gesang, Tanz und Wein.
  • Turrón de Jijona: Der beste Mandel-Nougat Spaniens kommt aus Alicante.
  • Belénes monumentales: Riesige Krippen in Sevilla und Málaga.

3. Baskenland: Olentzero und Txakoli

  • Olentzero: Ein dicker, rauchender Kohlenmann, der die Geschenke bringt (nicht die Reyes Magos!).
  • Txakoli: Ein leicht sprudelnder Weißwein, der zu Bacalao al Pil-Pil (Kabeljau) serviert wird.

4. Galicien: Queimada und Meeresfrüchte

  • Queimada: Ein feuriger Likör aus Aguardiente, der mit Zucker und Zitronenschalen zubereitet wird – und Flammen wirft!
  • Mariscos: Meeresfrüchte wie Pulpo a la Gallega (Tintenfisch) sind ein Muss an Nochebuena.

5. Kanarische Inseln: Sonne, Strand und Gofio

  • Weihnachten am Strand: Ja, das gibt’s! Viele Kanarier feiern mit Picknick am Meer.
  • Gofio: Ein geröstetes Getreidepulver, das in Desserts und Suppen verwendet wird.
  • Papas arrugadas con mojo: Salzkartoffeln mit scharfer Sauce – auch an Weihnachten!

Ich hoffe, dass Ihnen der kleine Streifzug durch das weihnachtliche Spanien gefallen hat und sie vielleicht sogar inspiriert hat, mal ein paar Tage im Dezember und Januar dort zu verbringen. Wenn es ihnen gefallen hat und sie auf weitere Länder und Regionen neugierig geworden sind: Die Weihnachtsreise durch Europa geht weiter und der nächste Artikel erzählt von Weihnachten in Island.

Bis dahin: Feliz Navidad und frohe Adventszeit!

Fotos: (c)Eva Kali – stock.adobe.com; (c)J.M. Tornero – stock.adobe.com; (c)wong yu liang – stock.adobe.com; (c)pathdoc – stock.adobe.com; (c)Gelpi – stock.adobe.com

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