Spezielle Bräuche und Rituale im Karneval in Frankreich
Blumenschlachten im Süden
Frankreichs Karneval ist voll kleiner Eigenheiten, die du so in Deutschland kaum findest. Berühmt sind etwa die „Batailles de Fleurs“ in Nizza: Bei diesen Blumenschlachten werden von reich geschmückten Wagen Tausende Blumen ins Publikum geworfen. Viele Besucher nehmen sich am Ende kleine Sträuße mit ins Hotel – ein sehr mediterranes Souvenir der närrischen Tage. Ähnliche Blumenkorsos findest du auch in anderen Orten an der Côte d’Azur, oft begleitet von Fanfaren, Majoretten und Meerblick. Tipp: Steh nicht zu nah an der Strecke, wenn du deine Kleidung schonen willst – die Blumen fliegen mitunter recht kräftig.
Fisch, Regenschirme und derbe Lieder im Norden
Im Norden geht es derber zu: In Dunkerque werden traditionell Heringe vom Balkon des Rathauses ins dichte Gedränge darunter geworfen. Die Teilnehmer tragen bunte Kostüme, häufig mit Fisch‑Motiven, und schwenken Regenschirme über den Köpfen – weniger gegen Regen, mehr als Teil der Inszenierung. Laute Seemannslieder, viel Selbstironie und eine Portion Chaos gehören hier unbedingt dazu. Über Wochen hinweg ziehen sogenannte „bandes“ durch die Straßen, begleitet von Blaskapellen. Wer mitfeiern will, sollte auf alte Kleidung setzen und Wertgegenstände gut verstauen – hier wird gedrängt, gesungen und geschubst.
Der „roi du carnaval“ – König für ein paar Tage
Typisch für viele französische Karnevalsstädte ist auch der „roi du carnaval“, eine große Symbolfigur oder Puppe, die den Karneval verkörpert. Am Anfang der Saison wird dieser König oft „gekrönt“ oder öffentlich präsentiert, manchmal mit einer kleinen Zeremonie auf einem Platz. Am Ende der Festtage wird er feierlich verbrannt oder symbolisch „gerichtet“. Das Spektakel erinnert daran, dass mit Aschermittwoch die ausgelassene Zeit endet – ein starkes Fotomotiv, aber nichts für allzu zarte Gemüter. Gleichzeitig steckt dahinter ein uralter Gedanke: Man übergibt allen Übermut und alle „Sünden“ der Figur und startet danach gereinigt in die Fastenzeit.
Riesige „géants“ im Nordosten
Im Nordosten, etwa in Bailleul oder anderen Orten von Flandern und Picardie, tauchen zudem die „géants“ auf: riesige, menschenhohe Figuren, die durch die Straßen getragen oder auf Wagen gefahren werden. Sie stellen lokale Helden, mythische Gestalten oder historische Persönlichkeiten dar und sind fester Bestandteil vieler Umzüge. Für Besucher wirken sie zunächst etwas skurril, sind aber ein wichtiger Identitätsträger der Region. Oft haben die „géants“ sogar eigene Namen und eine kleine „Biografie“, auf die die Einheimischen stolz sind. Kinder lieben diese Figuren – wer mit der Familie reist, sollte einen Platz suchen, an dem die Riesen langsam vorbeiziehen und gut zu fotografieren sind.
Masken, Musik und leise Rituale in Limoux
Besonders eigen ist der Karneval in Limoux: Dort tanzen die „Fécos“ in weißen Kostümen und Masken zu traditioneller Musik über den Platz, während „Goudils“, oft als Karikaturen verkleidet, die Zuschauer necken. Die Rituale wiederholen sich über Wochen hinweg nahezu täglich und verleihen dem Ort eine fast theaterhafte, intime Karnevalsatmosphäre – ideal, wenn du Bräuche lieber in Ruhe beobachtest als im dichten Gedränge. Statt lautem Straßenfest erlebst du hier eine Art wiederkehrendes Schauspiel mit festen Abläufen, bei dem du nach ein, zwei Tagen die Melodien schon mitsummen kannst.
Süßes, Konfetti und Verkleidungskultur
Überall in Frankreich spielen außerdem Süßspeisen und Konfetti eine große Rolle. In vielen Regionen gehören frittierte Teigstücke – etwa „bugnes“ oder „ganses“ – genauso zur Saison wie Crêpes oder heiße Schokolade nach dem Umzug. Konfetti wird oft in großen Mengen verkauft, teilweise auch aus Recyclingpapier. Und natürlich lebt der französische Karneval von der Lust am Verkleiden: Von eleganten Masken in Annecy über selbstironische Fischer in Dunkerque bis zu fantasievollen Themenkostümen in Nizza oder Toulouse ist alles dabei. Wer sich anpasst und selbst ein Kostüm anzieht, kommt mit Einheimischen viel schneller ins Gespräch – und erlebt den Karneval weniger als Zuschauer, sondern mitten im Geschehen.
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